Life in Tokyo

(Eigentlich hatte ich den ganzen Eintrag schon geschrieben, doch dann hat er sich selbstständig gelöscht… *knurr fauch zähnefletsch Computer an die Wand schmeiss* Egal hier kommt nun Version 2:)

Hallihallo!

Nun ist schon wieder so viel Zeit vergangen… seit vorgestern bin ich jetzt in meinem Projekt in Hokkaido angekommen. 🙂 Allerdings gibt es noch so viel von Tokyo zu erzählen und das kann ich natürlich nicht auslassen! 😉

Die letzte Woche war ziemlich vollgepackt mit Programm: Wir 5 Volunteers hatten viel Sprachunterricht und wollten natürlich trotzdem möglichst viel von der grossen Stadt sehen.  Mein Tagesablauf ging etwa so: Aufstehen um 7:00 und frühstücken mit der Familie. Meine Gastmutter machte immer unglaublich leckere und sehr abwechslungsreiche „Z’morgä“: Süsse Muffins mit jap. Bohnen, Waffeln mit Reismehl und Soja, Smoothies mit mindestens 10 Früchtesorten, manchmal kaufte sie frische Brötchen (typisch jap. Sorten wie Anpan (rund und gefüllt mit süssen Bohnennus), Cremebrötchen, Currybrötchen oder Meronpan, ein süsses grünes Brötchen das vom Aussehen her an eine Melone erinnert), frische Fruchtstückchen und verschiedene Teesorten… Ich war immer sehr gespannt auf das Frühstück vom nächsten Tag. 🙂

Nach dem Frühstück begleiteten wir dann meine Gastbruder zu seinem Kindergarten (und dort wurde ich vielen Eltern vorgestellt und von denen als niedlich befunden ;)). Danach ging es für mich los zum ICYE-Büro, wo der Japanischunterricht stattfand. Und das heisst: U-Bahn fahren!!! Und ja, zu Stosszeiten sind die wirklich seeehr überfüllt. Aber da Japaner_innen grundsätzlich alle sehr zuvorkommend sind, ist es nicht allzu schlimm, sich in einen schon zum Bersten gefüllten Wagen zu schieben, sich dann mit vielen „Sumimasen’s“ (= Entschuldigung) durch all die Leute auf die andere Wagenseite zum anderen Eingang zu quetschen und sich zur rechten Zeit wieder raus zu hüpfen.

Unser Sprachunterricht war ziemlich intensiv, immer morgens und nachmittags, aber wir lernten viele nützliche Dinge. Zum Beispiel sich vorstellen, über Hobbies reden, im Restaurant etwas bestellen (das ist komplexer als man denkt), Namen für Krankheiten und Krankheitssymptome usw. Wir hatten 2 Lehrer, eine schon ältere Lehrerin mit ganz klassischem Lehrstil (dh. zuhören, nachsprechen und dann Übung machen) und einen Studenten, der wieder um sehr modern und interaktiv unterrichtete. Da konnten wir schon mal die ganze Bürobelegschaft stören und sie nach der richtigen U-Bahn oder ihren Wochenendplänen fragen. 😉 Oder Filmausschnitte schauen –ich hab einen riesigen Studio Ghibli-Nachholbedarf! 🙂

Nach dem Unterricht hatten wir meist noch eine Stunde Zeit, bevor wir zu unseren Gastfamilien zurückgingen. Das nutzten wir natürlich voll aus! 🙂 Wir erkundeten unser Quartier, suchten fleissig nach SIM-Karten für unsere nicht funktionierenden Handys, wir gingen 2x nach Akihabara (= Tokyos Elektro und Otaku Stadtteil, also so das, was man sich als Europäer als Tokyo vorstellt) und nach Shibuya. In Akihabara besuchten wir ein Maid-Cafe! 🙂 Und weil das etwas ist, was normale Japaner eher nicht machen, hat uns das halbe ICYE Büro begleitet. ^^ So gingen wir also mit unserem Lehrer und einem jap. Volunteer in dieses Cafe und liessen uns zu überteuerten Preisen von überfreundlichen Maids bedienen…

Die Maids sind alles junge, hübsche, dünne Frauen mit Piepsstimme und Kostümen (Petticoat, knappe Rüschenröcke, viele Accessoires, Stöckelschuhe, Spitzenhäubchen, aufwändigen Frisuren und starkem Make-Up (inklusive getönten Kontaktlinsen)). Man darf dort keine Fotos machen, ausser vom Essen, und oft fühlt man sich etwas… komisch… ^^; Das Essen ist dafür ziemlich gut und kommt mit vielen Extras. Auf Getränke mit Milchschaum oder auf Omeletts kann man sich etwas darauf zeichnen lassen, es gibt einen Drink, zudem die Maid ein „Magical Shake“ vormacht (während dem Drink-Schütteln sagt sie Wörter vor wie „Moe moe“, „Cute cute“ oder „Miau miau“ und wir mussten es nachsagen) und bevor man zu essen beginnt, bildet man mit den Händen ein Herz und sagt „Moe moe“. Und dann wird man noch einzeln auf eine Bühne gerufen und kann ein Polaroidfoto von sich mit einer (selbst ausgewählten) Maid machen lassen und dazu Tieröhrchen aufsetzen.

Das ganze ist eine ganz witzige Erfahrung, aber wenn man dann die Kunden des Lokals betrachtet (einige Touristen und viele einsame komische Männer) wird es fast etwas creepy… Einer der Männer liess sich sogar mit Otto-san ansprechen (was soviel wie Vater bedeutet). Ehm tja, die Erinnerung wars wert! ^^

In Shibuya schauten wir Hachiko an und besuchten ein Rieseneinkaufszentrum für Kleider und Accessoires. Es heisst 109 ist echt cool… alles darin ist so modisch japanisch, manchmal echt schön, manchmal ziemlich schräg, jeden falls fanden alle 3 Mädchen es toll und die Jungs eher nicht… ;P Man kann dort so Ding kaufen wie Strumpfhosen mit Katzenprints (hab ich :)), Cinderella Pyjama mit passenden Schuhen, sexy School-Girl-Unterwäsche, 1000 verschiedene Socken und ganz viele tolle Röcke und Jupes und schön geschnittene Pullis und und und … ^^

Die Abende verbrachte ich mit meiner Gastfamilie, es gab immer sehr leckeres Essen und war sehr gemütlich. Manchmal hatte ich Hausaufgaben ‚_‘, manchmal hatten wir Besuch, manchmal haben ich und meine Gasteltern bis spät in die Nacht geplaudert… Einmal kam eine Freundin zu Besuch, die sich sehr für Fair Trade und Umweltschutz einsetzt und und Neuigkeiten aus Okinawa berichtete.

Kurz Zusammengefasst gibt es in Okinawa eine grosse US-Army Basis, von wo aus diese in die Kriege fliegen/flogen und die (natürlich) ziemlich abgeriegelt, sehr hässlich und störend und dem Friedenswunsch der Leute widersprechend ist. Die Anwohner in Okinawa haben schon länger gegen diese Basis demonstriert. Jetzt allerdings will man eine neue Basis bauen, noch grösser und vokalem mitten in die Meerlagune hinein, wo es ein Korallenriff, vieleviele Tiere und Pflanzen und sogar eine sehr seltene Delfinart gibt. Und natürlich würde diese Basis das alles komplett zerstören. Nun wehren sich die Leute sowohl aus pazifistischen wie auch umweltschützerischen Gründen. Sie machen nur gewaltfreie Aktionen, zB fahren sie mit Kanus an den Ort, wo die Basis geplant ist (ist bereits durch Bojen gekennzeichnet und darf nicht betreten werden), hängen Plakate mit Friedensbotschaften an den Absperrzaun zur Basis oder machen so etwas wie Sitzstreike. Jeden Tag demonstrieren die Leute auf ihre friedliche aber hartnäckige Weise. Die Polizei geht allerdings schonungslos gegen die Aktivisten vor, man abhandelt sie wie Terroristen. Oft werden sie abgefangen, manchmal gewaltsam abgeführt, Boote oder Fotokameras werden beschlagnahmt, Leute unter Arrest gestellt..

Mich haben ihre Erzählungen sehr beeindruckt und ich möchte den Leuten dort gerne helfen! Jetzt muss ich noch herausfinden wie… (Indem ich das hier aufschreibe und ihr das lest und jetzt auch wisst ist ja vielleicht schon etwas mehr geholfen:))

Falls es euch auch interessiert (biettebitte seid interessiert!!! ^^) schaut doch mal hier:

http://www.japantimes.co.jp/news/2015/07/29/national/history/anti-war-landowner-stands-firm-refuses-sign-base-lease/

https://whyusbasesinokinawa.wordpress.com

Ja, das war so in etwa mein Programm von der letzten Woche. 🙂 Über das Wochenende gibt es dann wieder so veil zu schreiben, dafür gibts einen eigenen Eintrag. 😉 Arigatou gozaimasu fürs Lesen!!!! <3<3<3

Volunteers in Akihabara! :D
Volunteers in Akihabara! 😀
Foto aus dem Maid-Cafe (ich natürlich mit Katzenohren ^^)
Foto aus dem Maid-Cafe (ich natürlich mit Katzenohren ^^)
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Urs Kaufmann sagt:

    Liebe Christine

    Was für einen Blog-Eintrag!
    Ich bin beeindruckt.
    Zwei Dinge möchte ich noch erwähnen: Zuerst die Frage, was z.T. (= zum Teufel) ein Ghibli-Nachholbedarf sein könnte.
    Das Trauerspiel um die Okinawa-US-Armybase war ein Thema in der monde diplomatique. Ich war auch sehr beeindruckt. Du kannst mal mit Google Earth oder Google Maps nachschauen; man hat das Gefühl, dass schon die halbe Insel von den Amis genutzt wird. Und jetzt mach dieser Abe noch auf Krieg! Da wird einem richtig schlecht.
    Zur Beruhigung: bei uns ist es auch nicht viel besser: der Ständerat findet, dass AKWs unendlich lange laufen dürfen …

    Na ja, so ist das eben auf dieser Welt.

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    1. Oh danke! 🙂
      Studio Ghibli macht Trickfilme (ist seeeeeehr bekannt und beliebt) wie zB. Prinzessin Mononoke, Mein Nachbar Totoro oder Chihiros Reise ins Zauberland… Sowas wie Disney in Japan. 😉
      Okinawa ist wirklich bedrückend, Abe’s Politik auch… Und danke für deine beruhigenden News aus der Schweiz. 😉

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