Ein kleiner Rückblick

Am 10. 10. ist mir auf einmal aufgefallen: „Am 10. 9. bin ich in Tokyo angekommen und somit bin ich mit dem heutigen Tag seit EINEM MONAT hier!!!“ Da dachte ich mir, es wäre doch schön, einen kleinen Rückblick zu machen, was  in diesem ersten Monat im Land der aufgehenden Sonne so alles passiert ist.

Und da ich so zeitplanungsmässig so talentiert bin, kommt dieser Rückblick jetzt 5 Tage später… was solls! ;P

Also, der für mich wohl auffälligste Punkt: Ich hatte KEINEN Kulturschock!!! *Tamtamtaaaam*

Warum ich das so betone? Nun, ich hatte fest damit gerechnet, einen zu haben. ^^; Während ich mich auf meinen Aufenthalt in Japan vorbereitet habe, habe ich viele Bücher gelesen, und in all denen standen ganze Listen von Dingen, die man in Japan als Ausländer falsch machen kann. Gefolgt von Listen von Dingen, die man in Japan dringend machen soll, nicht machen soll, essen soll, sagen soll, nicht sagen soll… Irgendwann dachte ich mir dann, also entweder überlebt man das in Japan gar nicht, oder die übertreiben alle maßlos. 🙅 😪 Wie sich nun herausstellte, ist eindeutig das zweite der Fall und ich würde anderen Japanreisenden eher empfehlen, diese Bücher gar nicht erst durchzuschauen. ✌ Im Ernst, es ist mehr verwirrend als hilfreich! Jedenfalls führte es bei mir dazu, dass ich konstant darauf warte, endlich etwas so richtig falsch zu machen und das dann sehr peinlich zu finden und von allen böse angeschaut zu werden und dann endlich meinen Kulturschock zu bekommen! 😁

Allerdings ist das Keinen-Kulturschock-Haben nicht weiter tragisch (nur etwas verwirrend), denn eigentlich bedeutet es: Es ist absolut toll und ich geniesse es hier sehr! 😀 Dieser letzte Monat war gefüllt mit ganz vielen neuen tollen Erlebnissen, Begegnungen und Erfahrungen. Ich überstand erfolgreich einen 11-stündigen und sehr langweiligen Flug und danach einen laaaangen Tag mit Megajetlag und ganz ehrlich, das sind vielleicht die einzigen zwei Dinge, die ich nicht ganz so toll fand. Wobei ich an dem laaaaaangen Tag mit Megajetlag ganz viele neue nette Leute kennenlernte (unter anderem meine hinreissendfantastischmegaliebe Gastfamilie ❤ ), zu ersten Mal durch Tokyo hindurchlief (!), zum ersten Mal in Tokyo U-Bahn fuhr, die schöne Wohnung meiner Gastfamilie kennenlernte, inklusive seeeehr gemütlicher Badewanne (in der ich prompt einschlief 😋). Und ich entdeckte die fantastischen Kochkünste meiner Gastmutter! ❤ Am ersten Tag gab es einen Chiffoncake und Swiss-Meringues mit Matchageschmack als Z’Vieri –da kommt einem der Jetlag doch nur noch halb so schlimm vor! 😉

Tokyo als Stadt selbst ist umwerfend, es ist so gross und hat so viele verschiedene Seiten… meine Tage dort reichten eindeutig nicht aus, um alles kennenzulernen. 😉 Aber ich denke, ich hatte einen sehr besonderen Einblick in das Leben in dieser Metropole: Dadurch, dass ich bei einer japanischen Familie wohnen und ihren Alltag etwas teilen konnte, dazu Sprachstunden an einem anderen Ort der Stadt hatte –was mich fleissig U-Bahn fahren liess– und dann noch etwas Freizeit, wo ich etwas Touristin sein konnte. 😀

Als ich dann nach 10 Tagen Tokyo und meine hinreissendfantastischmegaliebe Gastfamilie verlassen sollte, fand ich das zuerst gar nicht toll… ;P Irgendwie erwartete ich, dass jetzt, nachdem in Tokyo alles so gut gelaufen war, bestimmt mein Schock kommen würde.

Aber alles lief gut, ich fand meinen Flieger, de Flug war sehr kurz, am Flughafen fand ich meinen Zug, das Umsteigen auf den 2. Zug ging auch gut… und dann war ich auch schon am Bahnhof von Shintoku angekommen. Dort geschah dann das einzige nicht planmässige: Keiner war da, um mich abzuholen. 😶 Seltsamerweise stresste mich das aber überhaupt nicht (fragt mich nicht warum, normalerweise hätte mich schon nur der Gedanken an sowas zum Verzweifeln gebracht ^^) und ich rief mal per grünes Payphone bei meinem Projekt an und bald darauf kam jemand vorbei und holte mich ab. 🙂 Und von da an begann mein Alltag auf der Kyodo Gakusha Farm, gefüllt mit netten Leuten, viel (aber sehr guter) Arbeit, neuen Japanischworten und kleinen Alltagsabenteuern (wie zur Post gehen oder sich eine Schale Sobanudeln kaufen 😋😎). Langsam wird es hier immer kälter, alle warten schon auf den ersten Schnee (ich hoffe mal ganz uneigennützig dass er erst nach dem 23. kommt 😜 ) und ansonsten verläuft das Leben in ruhigen Bahnen. Die vielen Tiere hier sind alle sehr niedlich und scheinen das Leben hier zu geniessen (es gibt Katzen, 2 Hunde, Kühe und Kälbchen, Schweine, Schafe, eine Ziege und Hühner). Die Schafe essen gerne Wassermelone, die Ziege reisst öfters mal aus, die Schweine finden das toll und machens nach, der Hahn (vielleicht sind es auch mehrere) kräht fleissig, die Kälbchen werden langsam grösser und die eine Katze lässt sich mittlerweile von mir streicheln und das ist schööön! 😻😻😻

Viele der Leute, die zu Beginn meines Aufenthalts hier gearbeitet haben, sind jetzt wieder nach Hause gegangen, dafür sind wieder einige neue angekommen. Es ist ein stetiger Wechsel hier, ich finde es oft schade, dass sie so schnell wieder gehen… Gerade weil ich wegen meinem nicht so tollen Japanisch etwas langsamer darin bin, die Leute besser kennen zu lernen… ^^;

Ansonsten konnte ich einige neue Arbeiten machen, nämlich Sobagetreide… äh… sortieren?… Käse einpacken und Filzkügelchen herstellen. Sobagetreide sortieren funktioniert so: Zuerst lässt man das Getreide durch ein Sieb passieren, um Ästchen und Grasstücke und solchen Kram zu entfernen, dann kippt man schaufelweise Soba in eine Art Maschine mit Trichter hinein und lässt es langsam herunter rinnen, während man von Hand ein Rad ankurbelt, das einen Luftzug auslöst. Dadurch bläst es das zu leichte Getreide zur Seite, während das Schwerere gerade nach unten fällt. Dann gibt es noch eine Mittelstation, wo das nicht ganz so schwere Getreide hinfällt, das man dann nochmals durch die Maschine lassen kann. Das ganze macht ziemlichen Spass, allerdings ist man am Ende von Kopf bis Fuss mit braunem Sobastaub bedeckt, die Augen brennen etwas und die Nase ist dunkelbraun (innen und aussen). Das ist dann etwas weniger toll… aber wir haben eine Dusche und eine Badewanne und viele Taschentücher, von dem her ist es nicht weiter tragisch! 🙂 😋✌🛁🚿

Weiterhin könnte man noch erwähnen, dass es hier zwischendurch ziemlich stürmt (und dann ein leichter Luftzug durchs Haus streicht und die Schiebetüren zum Wackeln bringt), ich schon so oft zur Post gegangen bin, dass mich dort mittlerweile alle kennen und in unserem Wohnhaus alles grosse Dessertfans sind und wir so sehr oft leckere Dinge herstellen, wie zB. Kürbispudding, Kürbis-Chocolatechip-Cookies oder Tiramisu. ❤ Zudem versuchen wir Wein aus wilden Trauben herzustellen, da bin ich schon sehr gespannt darauf! 😀

Ein kleine Highlight fand diesen Montag statt, denn da gab es ein Irish Folk-Konzert in Shintoku! 🙂 Da musste ich natürlich hin und es war super! Vier japanische Musiker, die begeistert musizierten und ganz viele ebenso begeisterte Zuhörer, und zwischendurch konnte man sich einen Teller Sobanudeln oder einen Becher Ume-Sirup holen. 😀 Als ich dann wieder zurück in unserem Haus war, dachte ich mir so: Ich bin in Japan und an einem Irish Folk-Konzert gewesen –viel mehr kann man da nicht wollen, oder? 😉

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