Samtpfoten in Obihiro

Diesen Dienstag, an meinem schönen freien Tag, wagte ich mich zum ersten Mal ganz allein aus meinem Dörfchen heraus. Ich entschied mich, in die nächste grössere Stadt zu fahren, nach Obihiro. Dort besuchte ich einen riesigen, wunderschönen Park und das darin gelegene Kunstmuseum.

Klingt ja nicht nach so einem nicht zu bewältigenden Megaprogramm, aber ich war trotzdem seeeehr nervös denn… naja… Japan und Zugfahren und ich allein und eine fremde Stadt und es können wirklich nicht viele Leute Englisch hier und mein Japanisch ist nun tja *hust*… Aber ich habe mich getraut und da hat sich echt gelohnt! 😀

Das erste Erwähnenswerte passierte schon am Bahnhof von Shintoku: Ich lernte eine nette und etwas verschrobene ältere Dame kennen. Sie sprach mich in einem Englisch-Japanisch-Gemisch an und fragte mich ganz neugierig aus woher ich komme, wohin ich ginge, wie es mir hier so gefalle… Wir haben uns zusammen unterhalten, während wir auf den Zug warteten und sie erzählte mir alles Mögliche, von ihrem Alter, schönen Beatles-Songs (ihr gefallen „Let it be“ und „Hey Jude“ am besten), wie sie Englisch gelernt hat und dass in blauen Himmel oben „Halleluja“ gesungen würde. Und sie kaufte für mich Schokolade. Sie war wirklich sehr freundlich, aber ich war trotzdem etwas erleichtert, als sie sich dann von mir verabschiedet hat. ^^

Die Fahrt nach Obihiro dauert je nach Zug 30, 40 oder 70 Minuten und kostet je nach Dauer auch unterschiedlich viel (ich habs natürlich auf den langsamsten und teuersten Zug geschafft 😛 ), aber verglichen zur Schweiz reist man hier sehr günstig (auch mit dem teuersten Zug ^^).

An meinem Ziel angekommen bin ich dann einfach einmal losgelaufen (leider in die entgegengesetzte Richtung vom Park, was dann zu einem ziemlich langen Fussmarsch führte). Allerdings ist Obihiro nicht so eine Hindurchschländern-und-es-schön-finden-Stadt, oder zumindest der Stadtteil, in dem ich war, ist es nicht. Es gibt viele lange Strassen, die von einem Radio dauerbeschallt werden und viele Hochhäuser, in denen es dann Läden oder Restaurants gibt, die aber alle sehr geschlossen und abweisend wirken. Jedenfalls beschloss ich, dass so zielloses Herumwandern in dieser Stadt nicht so das Wahre war (das einzige Interessante, das ich fand, war ein Warenhaus, indem sie Förmchen für O-Nigiri (also Reisbällchen) in Katzenkopfform verkauften).

Ich suchte mir also eine Karte und machte mich auf den Weg zu meinem Park. Alles in allem lief ich etwa 40 Minuten lang einer laaangweiligen Strasse entlang, aber das hat sich gelohnt, denn: Der Park ist absolut fantastisch!!! Er ist riesengroß und besteht aus vielen verschiedenen Teilen wie einem Parkgolfplatz, einem Kulturteil mit Museum, einem Ententeich, einer weiten Wiese zum Sport treiben, vielen Spazierwegen und einem angrenzenden Zoo. Zuerst spazierte ich etwas herum und genoss die warmen Sonnenstrahlen und die schönen Herbstfarben –und machte natürlich jede Menge Fotos! 😀

Danach besuchte ich das Kunstmuseum und das war dann fast noch fantastischer. Das Gebäude an sich ist schon beeindruckend, denn es ist in ganz modernem Stil gebaut, mit vielen schrägen Ebenen und Glas –und Stahlelementen. Aber noch besser wurde es, als ich ins Innere des Museums gelangte: Sie hatten nämlich eine Sonderausstellung zum Thema Katzen! Jaaaa, genau, KATZEN!!! 😺 😸 😻 😺 😸 😻 😺 😸 😻 Da ich nirgendwo vorher etwas darüber gefunden habe, was es genau in diesem Kunstmuseum gibt (nur das es eins gibt) war das eine wunderbare Überraschung. Fast noch wunderbarer wurde es, als ich feststellte, dass es auch ein Café und einen Shop gab und die auch im Katzenstyle gehalten waren. 🐾 In Café hatte es auf jedem Tisch eine passende Dekoration, zB in Form von Origami oder niedlichen Figürchen, und man konnte Kaffee und katzenförmige Kekse konsumieren (was ich natürlich gemacht habe). Und im Museumsshop konnte man noch ganz viele schöne unnötige Dinge erstehen wie Postkarten, Bücher, Taschen, Notizblöcke, Magnete, Masking-Tape usw. miiiit … Katzen drauf! 🐾🐈

Die Ausstellung war auch purrrrrr-fekt 😻, es war eine schöne Sammlung mit Bildern, Holzdrucken und Skulpturen von japanischen Künstlern aus allen Epochen. Von überall her sah man grosse Augen, spitze Öhrchen, knuffige Pfoten und geschwungene Schnurrhaare, in allen Kunststilen und allen Grössen. ❤ Ich war hin und weg, und ich konnte auch viele Skizzen machen (so viele Büsis auf einem Haufen sind sehr inspirierend). Nachdem ich lange genug in den Ausstellungsräumen vor mich hin geschmolzen bin, gings weiter zum Museumsshop, wo das grosse Problem wartete: Ich musste mich davon abhalten, nicht den ganzen Laden leerzukaufen. DAS war echt schwer… schliesslich siegt die Vernunft und ich kaufte nur: Ein Maskingtape mit bohnenförmigen Katzen drauf, ein Minitellerchen mit Ohren, eine Tasche, ein Set (Katzen-) Tee und Kekse und ein paar Postkarten. Ja, ich hab mich wirklich sehr zurückgehalten… ;P

Nachdem ich mich überwunden hatte, das Museum und die vielen süssen Samtpfötchen schliesslich doch mal wieder zu verlassen –am liebsten wäre ich dort eingezogen– machte ich mich langsam auf den Heimweg. Ich machte nochmals eine Tour durch den schönen Park, der jetzt in warmes Nachmittagslicht getaucht war und dadurch fast noch schöner aussah, danach ging es daran, die laaange laaangweilige Strasse wieder zurückzulaufen. Allerdings entdeckte ich einen schicken Laden, was die Langeweile nicht ganz so schlimm machte. 😉 In diesem Laden konnte man sehr teure und schöne Kleider, Dekokrams (das Halloweenzeug zum Discountpreis ^^), Backutensilien, schöne Schreibwaren und ähnliches kaufen, und sie hatten auch eine ganze Wand (!) voller Masking-Tapes. Und wieder hielt ich mich mit eiserner Selbstbeherrschung davon ab, mir gleich den ganzen Laden nach Hause schicken zu lassen (heldenhaft, ich weiss 😛 ) und kaufte nur einige Tapes und heruntergeschriebene Halloweensüssigkeiten. So bepackt mit Einkaufstüten gefüllt mich schönen Sächelis, ging ich dann ganz beschwingt zum Bahnhof und es reichte mir sogar noch auf den frühen Zug.

Ja, das war das Programm von meinem ersten freien Tag ausserhalb von Shintoku. Gar nicht so schlecht, was? 😸

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Beatrice Vautravers sagt:

    Miaumiau
    Das macht Freude.
    Du gibst dir viel Müheit schreiben, danke.
    B.

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  2. Tabea sagt:

    Hey chrigi,
    Schön z ghörä dasses dir immer no so gfaut 🙂 heiter no nid töifä winter bi öich? 😉 bi üs isch momentan immer no um die 15!! Grad…
    gratulierä zum erstä usflug😘

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